AgentBrain ist jetzt auch ein Buch.
Was muss eine KI können, bevor wir ihr echte Arbeit anvertrauen? Mein Buch erzählt, wie mich diese Frage von der Immobilienverwaltung zu AgentBrain geführt hat. «AgentBrain: Memory, Evidence and the Right to Act in Governed AI Systems» wurde von Eliva Press publiziert.

Angefangen hat es mit liegen gebliebener Arbeit
Eine Nachricht vom Mieter. Eine Rückfrage an den Eigentümer. Ein Angebot vom Handwerker. Jede Information für sich ist verständlich. Doch wer hält fest, was inzwischen gilt, was noch offen ist und wer den nächsten Schritt freigegeben hat?
Mit solchen Fragen begann meine Arbeit an ImmoPilot und später Valtis. Ich wollte den Aufwand verringern, einen Fall nach jeder neuen Nachricht wieder zusammensuchen zu müssen. Dabei zeigte sich ein Problem, das weit über die Immobilienverwaltung hinausgeht: Eine KI kann eine einzelne Anfrage gut beantworten und trotzdem den Zusammenhang der laufenden Arbeit verlieren.
Aus diesem praktischen Problem entstand AgentBrain. Und aus den Entscheidungen, Tests und Korrekturen auf diesem Weg ist nun ein Buch geworden.
Zwischen einer guten Antwort und erledigter Arbeit
Im Buch beschreibe ich einen internen Ablauf, der in eine Zeitüberschreitung lief. Danach war nicht eindeutig, ob die Aktion im Zielsystem stattgefunden hatte. Noch einmal versuchen? Das hätte eine doppelte Ausführung auslösen können. Als erledigt markieren? Dafür fehlte die Bestätigung.
Das ist keine Frage eines schöneren Textes. Ein Mensch muss wissen können, ob etwas nur vorbereitet, versucht oder tatsächlich bestätigt wurde. Bleibt das Ergebnis offen, muss auch der Arbeitsstand offen bleiben.
“A convincing answer is not yet reliable work.”
Dieser Satz steht am Anfang des Buches. Eine überzeugende Antwort ist noch keine verlässliche Arbeit. Der Unterschied wird wichtig, sobald aus einem Gespräch eine E-Mail, eine Änderung oder eine Entscheidung werden soll.
Was Gedächtnis, Belege und Befugnisse im Alltag bedeuten
Gedächtnis muss Änderungen mittragen. Ein Beispiel aus dem Buch: Ein Kunde möchte seine Management-Zusammenfassungen künftig auf Englisch statt auf Deutsch. Die neue Vorgabe soll beim nächsten passenden Auftrag gelten. Zugleich muss erklärbar bleiben, weshalb eine ältere Zusammenfassung auf Deutsch erstellt wurde. Nur beide Nachrichten zu speichern, löst dieses Problem noch nicht.
Belege müssen zur Aussage passen. Aus «Das Angebot klingt gut» wird nicht automatisch «Das Angebot ist angenommen». Wenn eine Zusammenfassung diesen Unterschied verschluckt, kann später eine Vermutung wie eine Tatsache aussehen. Deshalb geht es im Buch auch darum, Quellen, Interpretation und offene Fragen auseinanderzuhalten.
Wissen ist keine Erlaubnis. Ein System kann sich daran erinnern, dass eine Reparatur einmal freigegeben wurde. Das berechtigt es nicht, die nächste Reparatur ebenfalls zu beauftragen. Eine Freigabe gehört zu einer konkreten Aufgabe und ihrem vereinbarten Umfang.
Diese Unterscheidungen machen Delegation überhaupt erst brauchbar: Das Team soll sich auf einen vorbereiteten Fall konzentrieren können, ohne erst rekonstruieren zu müssen, welche Aussage gilt oder ob eine Aktion schon ausgeführt wurde.
Auch die unbequemen Ergebnisse gehören dazu
Ich wollte keine Gründergeschichte schreiben, in der jeder Umweg im Rückblick wie ein guter Plan aussieht. Deshalb enthält das Buch auch ein Kapitel über Ergebnisse, die meine eigene Erklärung geschwächt haben.
Bei der späteren Prüfung von Vergleichstests liessen sich frühere Aussagen nicht alle halten. Unter den rekonstruierbaren Bedingungen lag eine einfachere Suchkonfiguration vor der aufwendigeren AgentBrain-Konfiguration. Ein Vergleich mit anderen Systemen musste zurückgenommen werden, weil die zugrunde liegenden Tests nicht ausreichend vergleichbar waren.
Solche Stellen gehören in ein Buch über überprüfbare Arbeit. Sie zeigen, was ein Test leisten soll: eine Annahme prüfen und nötigenfalls verändern. Mehr technische Bausteine sind noch kein besseres Ergebnis.
Einarbeiten, bevor Verantwortung wächst
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit digitalen Mitarbeitern. Mich interessiert dabei, was nach einer Korrektur passiert. Reicht der Hinweis nur für eine bessere Antwort auf dieselbe Frage? Oder hilft er auch beim nächsten passenden Fall?
Das Buch erklärt dies unter anderem an einem ausdrücklich erfundenen Lieferantenbeispiel: Ein Versanddatum ist noch keine bestätigte Ankunft. Nach einer Korrektur soll ein neuer Fall genau diesen Unterschied sichtbar machen. Gleichzeitig darf die Regel nicht dazu führen, dass das System eine eindeutig bestätigte Ankunft unnötig anzweifelt.
So wird Einarbeitung zu etwas, das man prüfen kann: Aufgabe zeigen, Fehler besprechen, Korrektur festhalten und an neuen Fällen testen. Verantwortung wächst nicht allein deshalb, weil eine Antwort sicher klingt.
Diese Fragen stehen auch hinter AgentBrain Employee. Das Buch beschreibt den Entwicklungsweg und die dabei gewonnenen Erkenntnisse. Den aktuellen Produktumfang finden Sie auf der Produktseite.
Wenn die Aufgabe darin besteht, etwas herauszufinden
Nicht jede Arbeit endet mit einer versendeten Nachricht. Manchmal soll ein Team verstehen, welche Schlussfolgerung die vorhandenen Informationen überhaupt zulassen.
Im Kapitel über das Forschungsprojekt Alpha geht es deshalb um öffentliche Quellen und die Verbindungen zwischen ihnen. Mehrere Dokumente können relevant sein, ohne gemeinsam schon eine belastbare Aussage zu ergeben. Eine fehlende Verbindung ist dann ein Ergebnis der Recherche, kein Freiraum für eine plausible Ergänzung.
Für jemanden, der eine Entscheidung vorbereiten muss, ist diese Unterscheidung nützlich: Was ist belegt? Was ist eine begründete Ableitung? Was bleibt unbekannt? Der heutige Produktbereich AgentBrain Analytics greift diese Fragen auf.
Für wen ich das Buch geschrieben habe
Für Menschen, die KI in die Arbeit bringen und dabei mehr verstehen möchten als eine Produktdemo. Wer ein Team führt, findet Fragen, die vor der Delegation einer Aufgabe geklärt werden sollten. Wer selbst KI-Systeme baut, findet technische Kapitel über Gedächtnis, Suche, Tests und kontrollierte Ausführung.
Das Buch verbindet diese technischen Überlegungen mit meiner persönlichen Geschichte als Gründer. Es lässt auch die Stellen stehen, an denen etwas noch nicht fertig oder eine frühere Annahme falsch war. Die beschriebenen internen Tests sind keine unabhängige Zertifizierung.
Mein Wunsch ist, dass Leserinnen und Leser danach genauer hinschauen können: Was trägt diese Aussage? Gilt diese Regel hier? Und wer darf aus diesem Arbeitsstand den nächsten Schritt machen?
Wer zunächst ein konkretes Beispiel lesen möchte, findet es im Artikel «KI-Agenten im Unternehmen: Was dürfen sie lesen, ändern und versenden?».
Das Buch ansehen
Wenn Sie AgentBrain bisher nur von der Website kennen, zeigt das Buch, welche Erfahrungen und offenen Fragen hinter der Arbeit stehen.
Die englische Ausgabe finden Sie auf Amazon.